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Förderung

Was hilft wirklich bei LRS? Wirksame Förderansätze im Überblick

Ina Leitner13 Min. Lesezeit
Kind und Lerntherapeutin arbeiten gemeinsam mit Buchstabenkarten an einem Tisch

Wirksame LRS-Förderung setzt direkt am Lesen und Schreiben an – nicht an vermeintlichen Grundfunktionen wie Wahrnehmung, Blicksteuerung oder Aufmerksamkeit. Belegt sind vor allem drei Bausteine: die systematische Arbeit an der Buchstaben-Laut-Zuordnung, das Gliedern von Wörtern in Silben, Morpheme und Laute sowie der Aufbau von orthographischem Regelwissen für die Rechtschreibung.

Ebenso wichtig ist die andere Seite dieser Bilanz: Für eine ganze Reihe verbreiteter Angebote – Wahrnehmungstrainings, Farbfolien, Nahrungsergänzungsmittel, Hemisphärenstimulation – konnte in kontrollierten Studien keine Wirkung auf Lese- und Rechtschreibleistungen nachgewiesen werden.

Dieser Beitrag ordnet beides ein und benennt auch, was seriöse Förderung realistischerweise leisten kann.

Der Grundsatz: Förderung setzt an der Schriftsprache an

Die deutsche S3-Leitlinie formuliert an dieser Stelle eine starke Empfehlung mit hundertprozentiger Zustimmung der Fachgesellschaften: Die Behandlung soll an den Symptomen der Lese- und/oder Rechtschreibstörung ansetzen. Gemeint sind damit Trainings, die unmittelbar an der verminderten Lese- und Rechtschreibleistung arbeiten und die direkt damit verbundenen Prozesse üben.

Der Gegenentwurf, der lange populär war, sind sogenannte kausale Ansätze: Sie trainieren Funktionen, denen man eine ursächliche Rolle beim Scheitern des Schriftspracherwerbs zuschreibt – etwa auditive oder visuelle Wahrnehmung. Genau diese Ansätze konnten in der für die Leitlinie durchgeführten Metaanalyse nicht bestätigt werden.

Wie groß die Effekte tatsächlich sind

Ehrlichkeit gehört an diese Stelle. Die Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien, die der Leitlinie zugrunde liegt, fand für symptomorientierte Förderung:

  • Lesen: g' = 0,299 (95-%-Konfidenzintervall 0,18 bis 0,42)
  • Rechtschreiben: g' = 0,331 (95-%-Konfidenzintervall 0,07 bis 0,60)

Das sind kleine, aber statistisch bedeutsame Effekte (Galuschka et al., 2014). Eine Metaanalyse ausschließlich deutschsprachiger Studien kam zu etwas günstigeren Werten – Rechtschreiben g' = 0,71 und Lesen g' = 0,39 (Ise et al., 2012).

Warum das so ist, erklärt der Blick auf den Verlauf: Ohne wirksame Förderung ist die LRS über Jahre hoch stabil – deshalb ist konsequente Unterstützung so wichtig, auch wenn die Fortschritte in kleinen Schritten kommen. Mehr dazu: LRS, Legasthenie oder Lese-Rechtschreibstörung – was ist was?

Was nachweislich hilft

1. Lesetraining auf Phonem- und Silbenbasis

Die Leitlinie empfiehlt mit stärkstem Empfehlungsgrad: Fördermaßnahmen sollen Übungen zur Graphem-Phonem- und Phonem-Graphem-Korrespondenz, zum Segmentieren von Wörtern in Phoneme, Morpheme, Silben oder Onset und Silbenreim sowie zum Verbinden von Phonemen zu einem Wort enthalten – sofern das Kind in diesen Bereichen Schwierigkeiten hat. Ergänzend sollen systematische Übungen auf Satz- und Textebene stattfinden.

Die Evidenz dafür ist breit:

  • Die Leitlinien-Metaanalyse über zwölf randomisiert-kontrollierte Studien fand Effekte im Lesen (g' = 0,322) und im Rechtschreiben (g' = 0,336).
  • Ein Cochrane-Review zeigte für Trainings, die gezielt die Graphem-Phonem-Korrespondenz fördern, moderate bis mittlere Effekte auf die Lesegenauigkeit (SMD = 0,47) und die Pseudowort-Lesegenauigkeit (SMD = 0,76).

Im Deutschen ist dieser Ansatz besonders naheliegend, weil unsere Orthographie im Vergleich zum Englischen relativ regelmäßig aufgebaut ist – wer die Zuordnung sicher beherrscht, kann sich einen großen Teil der Wörter erschließen.

2. Rechtschreibtraining mit orthographischem Regelwissen

Auch hier eine starke Empfehlung: Rechtschreibtrainings sollen Instruktionen zum Aufbau orthographischen Regelwissens enthalten.

Eine neuere Metaanalyse aus München bestätigt und präzisiert das. Über 34 kontrollierte Studien hinweg zeigten Ansätze, die mit Phonics, mit orthographischen Regeln und mit morphologischer Instruktion arbeiten, moderate bis hohe Effekte auf die Rechtschreibleistung. Für Interventionen, die vor allem Auswendiglernstrategien vermitteln, ließ sich dagegen kein bedeutsamer Einfluss bestätigen (Galuschka et al., 2020).

Das ist ein wichtiger Befund für den Alltag: Wörterlisten auswendig üben ist genau die Strategie, die viele Familien abends verzweifelt praktizieren – und sie ist bei LRS die am wenigsten aussichtsreiche.

3. Das Lesematerial anpassen

Ein einfacher, oft übersehener Hebel: Kinder und Jugendliche mit Lesestörung können von Texten mit vergrößerter Schrift sowie breiteren Buchstaben-, Wort- und Zeilenabständen profitieren. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, entsprechende Lesematerialien auszuwählen.

Grundlage ist unter anderem eine randomisiert-kontrollierte Studie, in der eine Vergrößerung der Buchstaben- und Zeilenabstände die Lesegenauigkeit und die Lesegeschwindigkeit signifikant verbesserte – der Zuwachs entsprach ungefähr dem Lernfortschritt eines Schuljahres (Zorzi et al., 2012, ausgewertet in der Leitlinie).

Für einen niedrigeren Text-Hintergrund-Kontrast fand sich dagegen kein Vorteil.

4. Früh beginnen

Die Leitlinie empfiehlt, dass Kinder mit Schwierigkeiten im Erwerb des Lesens und Rechtschreibens bereits im ersten Schuljahr Fördermaßnahmen erhalten sollen.

Der Grund liegt in den Zahlen des National Reading Panel: Lesetrainings auf Phonem- und Silbenbasis erzielten in der ersten Klasse deutlich größere Effekte (Lesen d = 0,54; Rechtschreiben d = 0,67) als in den Klassen zwei bis sechs (Lesen d = 0,27; Rechtschreiben d = 0,09 und damit nicht signifikant).

Das ist eines der stärksten Argumente gegen Abwarten. Woran Sie frühe Anzeichen erkennen, lesen Sie hier: LRS erkennen: typische Anzeichen bei Kindern.

5. Einzelförderung oder Kleingruppe – beides funktioniert

Die Leitlinie empfiehlt Fördermaßnahmen in Einzelsitzungen oder in Kleingruppen mit höchstens fünf Personen. Zwischen beiden Settings zeigten sich in mehreren Metaanalysen keine bedeutsamen Wirksamkeitsunterschiede. Die Entscheidung soll deshalb vom individuellen Störungsbild und von möglichen Begleitstörungen abhängig gemacht werden.

Für Eltern heißt das: Einzelförderung ist nicht automatisch besser. Entscheidend sind Methode, Passung und Kontinuität – nicht die Gruppengröße.

Was allein nicht ausreicht

Drei Ansätze sind nicht wertlos, aber als alleinige Maßnahme unzureichend:

  • Ganzwortlesetraining. Reines wiederholtes Lesen ganzer Wörter, ohne Zerlegung in kleinere Einheiten, sollte nach der Leitlinie nicht als Interventionsmaßnahme eingesetzt werden. Die Leitlinien-Metaanalyse fand keinen signifikanten Effekt auf die Leseleistung.
  • Reines Phonologietraining. Übungen zum Identifizieren, Kategorisieren, Segmentieren und Weglassen von Silben und Lauten – aber ausschließlich mündlich, ohne Buchstabenbezug – sollten nicht als alleinige Maßnahme eingesetzt werden. Aufschlussreich: Im Cochrane-Review erzielten Trainings, die sich auf die Graphem-Phonem-Korrespondenz konzentrierten, größere Effekte als Trainings, die diese zusätzlich mit rein phonologischen Übungen kombinierten.
  • Textverständnisstrategien. Zusammenfassen, Fragen an den Text stellen, Vorhersagen treffen: sinnvolle Techniken, aber als alleinige Maßnahme bei LRS nicht belegt.

Der gemeinsame Nenner: Was fehlt, ist jeweils die Verbindung zwischen Laut und Buchstabe. Genau dort liegt bei LRS der Kern des Problems.

Was nachweislich nicht hilft

Die folgenden Verfahren werden in Deutschland teils intensiv beworben. Die Leitlinie kommt für sie zu klaren Negativempfehlungen:

VerfahrenBewertung der Leitlinie
Training auditiver Wahrnehmung und Verarbeitungsoll nicht eingesetzt werden
Training visueller Wahrnehmung und Blicksteuerungsoll nicht eingesetzt werden
Training audiovisueller Wahrnehmungsoll nicht eingesetzt werden
Auditive Wahrnehmungsförderung als Zusatz zur Symptomförderungsollte nicht eingesetzt werden
Neuropsychologische Hemisphärenstimulationsoll nicht eingesetzt werden
Aufmerksamkeitstraining ohne entsprechende Begleitstörungsollte nicht eingesetzt werden
Medikation mit Piracetamsoll nicht eingesetzt werden
Irlen-Linsen und vergleichbare Farbfoliensollen nicht eingesetzt werden
Homöopathie, Akupressur, Osteopathie, Kinesiologiesollen nicht eingesetzt werden
Nahrungsergänzungsmittelsollen nicht eingesetzt werden
Motorische Übungen gegen einen persistierenden Nackenreflexsollen nicht eingesetzt werden
Visuelles Biofeedback, monokulare Okklusionsollen nicht eingesetzt werden
Prismenbrillensollen nicht eingesetzt werden

Zu den Farbfolien merkt die Leitlinie an, dass am ehesten ein Placeboeffekt vorzuliegen scheint. Zur „Winkelfehlsichtigkeit“, auf der Prismenbehandlungen beruhen, hält sie fest, dass dieses Konzept wissenschaftlich nicht anerkannt ist.

Was sich seit der Leitlinie getan hat

Die S3-Leitlinie ist seit April 2020 abgelaufen und wird derzeit überarbeitet. Drei neuere Arbeiten sind für Eltern besonders relevant.

Digitale Förderprogramme: vorsichtig positiv

Eine Metaanalyse von 30 randomisiert-kontrollierten Studien mit 4.851 Teilnehmenden aus den Jahren 2010 bis 2025 fand für technologiegestützte Leseförderung bei Grundschulkindern mit Leseschwierigkeiten einen signifikanten Gesamteffekt von g = 0,35 (95-%-Konfidenzintervall 0,23 bis 0,48) – eine kleine bis mittlere Verbesserung. Keiner der untersuchten Moderatoren erklärte die Unterschiede zwischen den Studien (Alqahtani, 2026).

Wichtig zur Einordnung: Untersucht wurde die Technologie als Vermittlungsform, nicht ein bestimmtes Produkt. Entscheidend bleibt, welche Inhalte ein Programm vermittelt. Eine App, die Wahrnehmungsübungen digitalisiert, wird dadurch nicht wirksamer.

Neurofeedback: weiterhin keine belastbare Evidenz

Eine systematische Übersichtsarbeit über zwölf Studien kommt zu dem Schluss, dass Neurofeedback-Techniken für sich genommen keinen bedeutsamen Nutzen für die Leseleistung zeigen und die Studienlage zu heterogen für ein klares Urteil ist (López-Zamora et al., 2026).

Ältere Schülerinnen und Schüler: schwieriger, aber nicht aussichtslos

Eine Metaanalyse über 22 Studien mit Kindern und Jugendlichen der Klassen 3 bis 12 mit ausgeprägten Worterkennungsschwierigkeiten fand einen kleinen Gesamteffekt (g = 0,14). Deutlicher fielen die Effekte auf das Pseudowortlesen (g = 0,38) und dessen Flüssigkeit (g = 0,29) aus. Als bedeutsamer Moderator erwies sich die Gesamtstundenzahl der Förderung: Mehr Zeit führte zu besseren Ergebnissen (Boucher et al., 2024).

Zwei Botschaften stecken darin. Erstens: Auch bei älteren Kindern lohnt sich Förderung. Zweitens: Sie braucht dann mehr Umfang und mehr Geduld als in der Grundschule.

Wie viel Förderung braucht es?

Eine allgemeingültige Stundenzahl nennt die Leitlinie nicht. Die Befundlage legt aber drei Dinge nahe:

  • Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Kontinuierliche wöchentliche Arbeit über einen längeren Zeitraum ist einem kurzen Intensivkurs vorzuziehen.
  • Dauer wirkt. Bei älteren Schülerinnen und Schülern hing der Erfolg messbar an der Gesamtstundenzahl.
  • Fortschritt muss überprüft werden. Ob eine Förderung greift, lässt sich nur beurteilen, wenn der Lernstand regelmäßig erhoben wird – nicht am Bauchgefühl.

Woran Sie ein seriöses Förderangebot erkennen

  • Es setzt direkt am Lesen und Schreiben an und nicht an Wahrnehmung, Motorik oder Aufmerksamkeit.
  • Es beginnt mit einer Lernstandserhebung, nicht mit einem fertigen Programm.
  • Es kann benennen, welche Methode verwendet wird – und warum gerade diese zu Ihrem Kind passt.
  • Es überprüft den Fortschritt regelmäßig und passt die Förderung an.
  • Es arbeitet mit Ihnen und der Schule zusammen.
  • Es macht keine Heilversprechen und nennt keine garantierten Zeiträume.
  • Es rät nicht zu Farbfolien, Prismenbrillen, Nahrungsergänzungsmitteln oder Wahrnehmungstrainings als Kern der Förderung.

Die Leitlinie formuliert dazu eine klare Anforderung: Die Intervention soll von Behandelnden durchgeführt werden, die über eine fachliche Ausbildung und ausgeprägte Expertise im Bereich der Schriftsprachentwicklung und ihrer Förderung sowie im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit schulischen Entwicklungsstörungen verfügen.

Und was ist mit der Schule?

Förderung und schulische Ausgleichsmaßnahmen sind zwei verschiedene Hebel, die beide gebraucht werden. Die Förderung verbessert die Fähigkeiten; Nachteilsausgleich und Notenschutz sorgen dafür, dass Ihr Kind in der Zwischenzeit nicht unter Bedingungen bewertet wird, die es systematisch benachteiligen.

Wie das in Baden-Württemberg geregelt ist, lesen Sie hier: Nachteilsausgleich und Notenschutz bei LRS in Baden-Württemberg.

Ob und wie eine Diagnostik abläuft, erklärt außerdem der Beitrag LRS testen lassen: Ablauf, Diagnostik und Zuständigkeiten.

Und was Sie zu Hause sinnvoll unterstützen können – und was Sie besser lassen sollten – behandelt der Beitrag LRS zu Hause fördern: was Eltern sinnvoll üben können.

Förderung in Heddesheim und Umgebung

In meiner Lerntherapie in Heddesheim arbeite ich mit Kindern aus Heddesheim und der Umgebung nach den Prinzipien, die in diesem Beitrag beschrieben sind: an der Schriftsprache selbst, aufbauend auf einer sorgfältigen Lernstandserhebung, mit regelmäßiger Überprüfung des Fortschritts und in Abstimmung mit Eltern und Schule.

Im ersten Gespräch klären wir gemeinsam, wo Ihr Kind steht, welche Bausteine sinnvoll sind und wie eine Förderung konkret aussehen könnte.

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Häufige Fragen

Kann man LRS wegtrainieren?

Nein. Wirksame Förderung verbessert Lesen und Rechtschreiben nachweislich, beseitigt die zugrunde liegende Störung aber in der Regel nicht. Realistisches Ziel ist, dass Ihr Kind die Schriftsprache so weit beherrscht, dass sie im Alltag und in der Schule nicht mehr im Weg steht.

Reicht Nachhilfe aus?

Klassische Nachhilfe arbeitet meist am aktuellen Unterrichtsstoff. LRS-Förderung setzt dagegen dort an, wo im Aufbau der Schriftsprache Lücken bestehen – oft mehrere Jahre unterhalb der aktuellen Klassenstufe. Beides kann sinnvoll sein, ersetzt sich aber nicht.

Helfen Apps und Online-Programme?

Eine aktuelle Metaanalyse fand für technologiegestützte Leseförderung einen kleinen bis mittleren Effekt. Entscheidend ist jedoch der Inhalt: Ein Programm, das systematisch an Laut-Buchstaben-Zuordnung und Rechtschreibregeln arbeitet, ist etwas anderes als eines, das Wahrnehmungsübungen digitalisiert.

Was ist mit Farbfolien und speziellen Brillen?

Für Irlen-Linsen und vergleichbare Farbfolien konnte keine Wirksamkeit belegt werden; die Leitlinie geht am ehesten von einem Placeboeffekt aus. Prismenbrillen sollen als Interventionsmaßnahme nicht eingesetzt werden. Eine augenärztliche Abklärung gehört dagegen zur Diagnostik.

Ist Einzelförderung besser als Gruppenförderung?

Nicht grundsätzlich. Mehrere Metaanalysen fanden zwischen Einzelsitzungen und Kleingruppen mit bis zu fünf Personen keine bedeutsamen Wirksamkeitsunterschiede. Ausschlaggebend sind das individuelle Störungsbild und mögliche Begleitstörungen.

Ab wann sollte die Förderung beginnen?

So früh wie möglich. Die Leitlinie empfiehlt Fördermaßnahmen bereits im ersten Schuljahr, wenn Schwierigkeiten beim Erwerb des Lesens und Rechtschreibens auftreten. Die Effekte früh begonnener Förderung sind deutlich größer als die späterer Maßnahmen.

Wie lange dauert eine LRS-Förderung?

Das hängt vom Ausgangsniveau, vom Alter und von der Regelmäßigkeit ab. Verlässliche Studienangaben zu einer optimalen Dauer gibt es nicht; bei älteren Schülerinnen und Schülern zeigte sich allerdings, dass eine höhere Gesamtstundenzahl mit besseren Ergebnissen einherging. Seriöse Anbieter nennen deshalb keine festen Zeiträume, sondern überprüfen den Fortschritt regelmäßig.

Fachlicher Hinweis

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Diagnostik, Beratung oder Behandlung. Die dargestellten Empfehlungen stammen überwiegend aus der deutschen S3-Leitlinie zur Lese- und/oder Rechtschreibstörung (AWMF-Registernummer 028-044). Diese Leitlinie ist seit dem 22. April 2020 abgelaufen und befindet sich in Überarbeitung; die Anmeldung der Neufassung wurde am 1. Juli 2025 veröffentlicht. Die Aussagen wurden daher durch neuere Metaanalysen ergänzt. Bei Verdacht auf eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung wenden Sie sich bitte an eine kinder- und jugendpsychiatrische, kinder- und jugendpsychotherapeutische oder kinder- und jugendärztliche Praxis.

Quellen und weiterführende Literatur

Leitlinien und offizielle Dokumente

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP): S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung“, AWMF-Registernummer 028-044, Stand 23.04.2015, gültig bis 22.04.2020, derzeit in Überarbeitung. AWMF-Leitlinienregister
  • Kultusministerkonferenz: Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen. Beschluss vom 04.12.2003 in der Fassung vom 15.11.2007. KMK-Beschluss (PDF)

Wissenschaftliche Arbeiten

  • Alqahtani, S. S. (2026): A meta-analysis of randomized controlled trials on technology-based interventions for elementary students with reading difficulties. Research in Developmental Disabilities, 174, 105318. doi.org/10.1016/j.ridd.2026.105318
  • Boucher, A. N., Bhat, B. H., Clemens, N. H., Vaughn, S. & O'Donnell, K. (2024): Reading Interventions for Students in Grades 3–12 With Significant Word Reading Difficulties. Journal of Learning Disabilities, 57(4), 203–223. doi.org/10.1177/00222194231207556
  • Galuschka, K., Ise, E., Krick, K. & Schulte-Körne, G. (2014): Effectiveness of treatment approaches for children and adolescents with reading disabilities: a meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS ONE, 9(2), e89900. doi.org/10.1371/journal.pone.0089900
  • Galuschka, K., Görgen, R., Kalmar, J., Haberstroh, S., Schmalz, X. & Schulte-Körne, G. (2020): Effectiveness of Spelling Interventions for Learners With Dyslexia: A Meta-Analysis and Systematic Review. Educational Psychologist, 55(1), 1–20. doi.org/10.1080/00461520.2019.1659794
  • Galuschka, K. & Schulte-Körne, G. (2016): Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung. Deutsches Ärzteblatt International, 113(16), 279–286. doi.org/10.3238/arztebl.2016.0279
  • Ise, E., Engel, R. R. & Schulte-Körne, G. (2012): Was hilft bei der Lese-Rechtschreibstörung? Ergebnisse einer Metaanalyse zur Wirksamkeit deutschsprachiger Förderansätze. Kindheit und Entwicklung, 21(2), 122–136. doi.org/10.1026/0942-5403/a000077
  • López-Zamora, M., Porcar-Gozalbo, N., Moreno, M. R., Cano-Villagrasa, A. & Pastor, L. B. (2026): Efficacy of neurofeedback in the treatment of dyslexia: a systematic review. Annals of Dyslexia, 76(1), 137–155. doi.org/10.1007/s11881-025-00335-0
  • Carioti, D., Masia, M. F., Travellini, S. & Berlingeri, M. (2021): Orthographic depth and developmental dyslexia: a meta-analytic study. Annals of Dyslexia, 71(3), 399–438. doi.org/10.1007/s11881-021-00226-0
  • Wyschkon, A., Schulz, F., Gallit, F. S., Poltz, N., Kohn, J., Moraske, S., Bondü, R., von Aster, M. & Esser, G. (2018): 5-Jahres-Verlauf der LRS: Stabilität, Geschlechtseffekte, Schriftsprachniveau und Schulerfolg. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 46(2), 107–122. doi.org/10.1024/1422-4917/a000535
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