LRS verstehen
LRS – was ist das? Legasthenie und Lese-Rechtschreibstörung verständlich erklärt

LRS ist die Abkürzung für Lese-Rechtschreib-Schwäche beziehungsweise Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Gemeint sind deutliche und andauernde Probleme beim Lesen, beim Rechtschreiben oder in beiden Bereichen – unabhängig von Intelligenz, Fleiß oder Elternhaus. In der Medizin gibt es dafür eine eigene Diagnose: die Lese- und/oder Rechtschreibstörung (ICD-10: F81.0 und F81.1; ICD-11: 6A03.0 und 6A03.1). Der Begriff Legasthenie wird teils gleichbedeutend mit dieser Diagnose, teils als Alltagsbegriff verwendet.
Klingt verwirrend? Ist es auch. Genau deshalb lohnt sich dieser Artikel: Wenn Sie die Begriffe einmal sortiert haben, verstehen Sie sehr viel besser, was in Zeugniskonferenzen, Arztberichten und Förderplänen eigentlich steht.
Warum es bei LRS so viele Begriffe gibt
Über Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sprechen mindestens drei Systeme – und sie meinen nicht immer dasselbe:
- Die Medizin arbeitet mit Diagnosen nach einem international festgelegten Klassifikationssystem, der ICD.
- Die Schule arbeitet mit den Begriffen der Kultusministerkonferenz und der jeweiligen Landesregelung – in Baden-Württemberg mit einer Verwaltungsvorschrift.
- Der Alltag kennt vor allem „Legasthenie“ und „LRS“.
Ein Kind kann in der Schule als Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben geführt werden, in der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis die Diagnose F81.0 bekommen und zu Hause „Legasthenie“ genannt bekommen – und es geht die ganze Zeit um dasselbe Kind mit denselben Schwierigkeiten.
Die drei Begriffe im Vergleich
| Begriff | Wer verwendet ihn? | Was ist gemeint? |
|---|---|---|
| LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche bzw. -Schwierigkeiten) | Schule, Beratungsstellen, Lerntherapie, Elternratgeber | Oberbegriff für deutliche Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Rechtschreiben – mit oder ohne medizinische Diagnose |
| Lese- und/oder Rechtschreibstörung | Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapie, Fachliteratur | Klar definierte Diagnose nach ICD-10 bzw. ICD-11 mit festgelegten Kriterien |
| Legasthenie | Alltag, Elternverbände, ältere Fachliteratur, international („dyslexia“) | Meist gleichbedeutend mit der Lese-Rechtschreibstörung; im deutschen Sprachraum uneinheitlich verwendet |
Ein Detail, das immer wieder für Missverständnisse sorgt: In der deutschsprachigen Fachliteratur wird die Abkürzung „LRS“ auch für die Lese-Rechtschreibstörung im medizinischen Sinn benutzt – etwa in Verlaufsstudien zur Frage, wie stabil die Schwierigkeiten über Jahre bleiben (Wyschkon et al., 2018). Wenn Sie irgendwo „LRS“ lesen, lohnt sich also immer der Blick darauf, welche Definition der Text zugrunde legt.
Was sagt die medizinische Diagnostik?
ICD-10: die in Deutschland verbindliche Fassung
Für Diagnosen im deutschen Gesundheitswesen gilt die ICD-10-GM, herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Sie ist seit dem 1. Januar 2026 in der Version 2026 anzuwenden. Unter F81 finden sich dort die umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten:
- F81.0 – Lese- und Rechtschreibstörung: Das Erlernen des Lesens ist deutlich beeinträchtigt; sehr häufig ist auch die Rechtschreibung betroffen.
- F81.1 – Isolierte Rechtschreibstörung: Die Rechtschreibung ist beeinträchtigt, ohne dass in der Vorgeschichte eine Lesestörung nachweisbar wäre.
Entscheidend ist ein Ausschlusskriterium, das im Klassifikationstext selbst steht: Die Schwierigkeiten dürfen nicht einfach Folge fehlender Lerngelegenheiten sein und nicht allein durch eine Intelligenzminderung oder eine erworbene Hirnschädigung erklärbar sein. Anders gesagt: Eine Lese-Rechtschreibstörung ist per Definition kein Zeichen mangelnder Begabung.
Eine Lücke der ICD-10 fällt Fachleuten seit Langem auf: Eine isolierte Lesestörung – also Probleme beim Lesen bei weitgehend unauffälliger Rechtschreibung – lässt sich in diesem System kaum abbilden, obwohl sie ähnlich häufig vorkommt wie die anderen Formen (Schulte-Körne, 2021).
ICD-11: was sich ändert
Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation ordnet Lese- und Rechtschreibprobleme neu ein: Sie gehören dort zu den Lernentwicklungsstörungen (Kategorie 6A03) innerhalb der Gruppe der neuronalen Entwicklungsstörungen – gemeinsam etwa mit ADHS und Autismus.
- 6A03.0 – Lernentwicklungsstörung mit Beeinträchtigung des Lesens (Lesegenauigkeit, Leseflüssigkeit, Leseverständnis)
- 6A03.1 – Lernentwicklungsstörung mit Beeinträchtigung des schriftsprachlichen Ausdrucks (unter anderem Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung)
Mit dieser Systematik lässt sich die isolierte Lesestörung endlich sauber abbilden. Kritisch bewertet wird allerdings, dass die ICD-11 am IQ-Diskrepanzkriterium festhält – also an der Vorstellung, eine Störung liege nur dann vor, wenn die Lese- oder Rechtschreibleistung deutlich hinter der gemessenen Intelligenz zurückbleibt. Genau dieses Kriterium wird von der Forschung seit Jahren infrage gestellt (Schulte-Körne, 2021).
„Schwäche“ oder „Störung“? Der Streit um das Diskrepanzkriterium
Viele Ratgeber erklären den Unterschied so: Bei einer Störung klaffe eine große Lücke zwischen Intelligenz und Schriftsprachleistung, bei einer Schwäche seien beide Werte niedrig. Diese Unterscheidung entscheidet in der Praxis oft darüber, ob eine Diagnose gestellt wird – und damit mitunter auch darüber, ob eine Kostenübernahme in Betracht kommt.
Fachlich ist sie jedoch umstritten. Zwei Befunde sind dabei besonders relevant:
- Die Häufigkeitszahlen hängen massiv von den gewählten Kriterien ab. In einer großen deutschen Stichprobe mit 2.195 Kindern lagen die Raten für einzelne Lernschwächen zwischen etwa 4 und 6 Prozent, für Lernstörungen im engeren Sinn zwischen etwa 2 und 4 Prozent. Je nachdem, welche Schulleistungen überhaupt mitgetestet wurden, verdoppelten sich die Prävalenzraten (Fischbach et al., 2013).
- Der Förderbedarf ist derselbe. Ein Kind, das nach zwei Jahren Schule Wörter nicht sicher erlesen kann, braucht wirksame Unterstützung – unabhängig davon, wie sein IQ-Wert dazu ins Verhältnis gesetzt wird.
Für Eltern heißt das ganz praktisch: Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn verschiedene Stellen unterschiedliche Begriffe verwenden. Wichtiger als das Etikett ist die Frage, was genau Ihr Kind noch nicht kann – und was daraus für die Förderung folgt.
Wie die Schule in Baden-Württemberg mit LRS umgeht
Das Schulrecht verwendet noch einmal eigene Begriffe. Bundesweite Grundlage ist der Beschluss der Kultusministerkonferenz „Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen“ vom 4. Dezember 2003 in der Fassung vom 15. November 2007.
In Baden-Württemberg ist das Thema in der Verwaltungsvorschrift „Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und Behinderungen“ geregelt (Verwaltungsvorschrift vom 8. März 1999, zuletzt geändert am 22. August 2008). Eine eigene „Legasthenie-Verordnung“ gibt es hier also nicht. Wichtig für Eltern sind vor allem diese Punkte:
- Besonderer Förderbedarf kann sich unter anderem bei Schwierigkeiten im Lesen oder Rechtschreiben ergeben – von einer ärztlichen Diagnose ist an dieser Stelle nicht die Rede.
- Bis Klasse 6 sind in Deutsch und in den Fremdsprachen besondere Formen der Leistungsmessung und Leistungsbewertung möglich, wenn die Leistungen im Lesen oder Rechtschreiben dauerhaft – in der Regel etwa ein halbes Jahr – schlechter als „ausreichend“ bewertet wurden.
- Ab Klasse 7 gilt dies nur noch in besonders begründeten Ausnahmefällen, etwa wenn ein komplexes Ursachenfeld für einen gestörten oder verzögerten Schriftspracherwerb vorliegt oder eine auf medizinischen Gründen beruhende Teilleistungsstörung.
- Über die Anwendung entscheidet die Klassenkonferenz unter Vorsitz der Schulleitung.
Das erklärt, warum ab der weiterführenden Schule plötzlich nach einem ärztlichen Befund gefragt wird, obwohl in der Grundschule keiner nötig war.
Ausführlich behandeln wir das in einem eigenen Beitrag: Nachteilsausgleich und Notenschutz bei LRS in Baden-Württemberg.
Wie häufig ist LRS?
Eine belastbare internationale Zahl liefert eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zur Häufigkeit der Lesestörung bei Grundschulkindern: Die gepoolte Prävalenz lag bei 7,1 Prozent (95-%-Konfidenzintervall: 6,3 bis 8,0 Prozent), bei Jungen deutlich höher als bei Mädchen (9,2 gegenüber 4,7 Prozent). Zwischen alphabetischen und logographischen Schriftsystemen fand sich kein bedeutsamer Unterschied (Yang et al., 2022).
Für den deutschsprachigen Raum nannte die S3-Leitlinie von 2015 eine Größenordnung von etwa 3 bis 8 Prozent. Die Zahlen schwanken allerdings – wie oben beschrieben – erheblich mit den verwendeten Diagnosekriterien (Fischbach et al., 2013; Moll et al., 2014).
Übersetzt in den Schulalltag: In einer Klasse mit 25 Kindern sitzen statistisch ein bis zwei Kinder mit deutlichen Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten. Ihr Kind ist damit alles andere als ein Einzelfall.
Woran erkennt man LRS?
Typische Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften sind:
- sehr langsames, stockendes Lesen; Wörter werden eher geraten als erlesen
- Buchstaben, Silben oder Wörter werden ausgelassen, hinzugefügt oder vertauscht
- der Inhalt eines gelesenen Textes kann kaum wiedergegeben werden
- dasselbe Wort wird in einem Text mehrfach unterschiedlich falsch geschrieben
- große Mühe trotz vielen Übens – die Fortschritte bleiben hinter dem Aufwand zurück
- Bauchschmerzen vor Diktaten, Vermeiden von Lese- und Schreibaufgaben
Einzelne dieser Beobachtungen sind im Schriftspracherwerb völlig normal. Entscheidend sind Ausmaß, Dauer und Leidensdruck.
Welche Anzeichen wirklich aussagekräftig sind und ab wann eine Abklärung sinnvoll ist, lesen Sie in unserem Beitrag LRS erkennen: typische Anzeichen bei Kindern.
Fünf verbreitete Irrtümer über LRS
„LRS hat mit Intelligenz zu tun.“
Nein. Der Ausschluss einer Intelligenzminderung ist Teil der Definition – sowohl in der ICD-10 als auch in der ICD-11. Kinder mit LRS finden sich in allen Begabungsbereichen. Besonders leicht übersehen werden hochbegabte Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten: Sie können ihre Schwierigkeiten teilweise kompensieren und erfüllen dann formale Diagnosekriterien nicht, zeigen aber dennoch klar beeinträchtigte Leistungen beim Worterlesen, in der Leseflüssigkeit und in der Rechtschreibung (Kranz et al., 2024).
„Das Kind müsste sich nur mehr anstrengen.“
Viele Kinder mit LRS üben mehr als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler – mit weniger Ertrag. Genau diese Erfahrung belastet. Eine Metaanalyse mit über 83.000 Teilnehmenden zeigt, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten deutlich häufiger internalisierende Probleme wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit oder sozialen Rückzug erleben als Gleichaltrige (Vieira et al., 2024).
„Das ist eine Sehschwäche.“
LRS ist keine Störung der Sehschärfe. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse fand bei Menschen mit Lesestörung keine bedeutsamen Unterschiede in Sehschärfe oder Fehlsichtigkeit; wohl aber Auffälligkeiten in Blickbewegungen und im beidäugigen Sehen, deren klinische Bedeutung die Autorinnen und Autoren ausdrücklich als klärungsbedürftig bezeichnen (Martinez-Perez et al., 2026). Ein Sehtest gehört zur Abklärung dazu – eine Brille ist aber keine LRS-Förderung.
„Legastheniker sind dafür besonders kreativ.“
Diese gut gemeinte Vorstellung hält der Prüfung nicht stand. Eine Metaanalyse über 20 Studien mit 770 Personen mit Dyslexie und 1.671 Kontrollpersonen fand im Mittel keine Unterschiede in der Kreativität zwischen beiden Gruppen (Erbeli et al., 2022). Kinder mit LRS haben Stärken – aber sie brauchen dafür keinen Mythos.
„Das wächst sich aus.“
Das ist der folgenreichste Irrtum. In einer deutschen Längsschnittstudie über gut fünf Jahre lag die Störungspersistenz bei knapp 70 Prozent (Wyschkon et al., 2018). Ohne wirksame Förderung verschwinden die Schwierigkeiten in der Regel nicht – sie werden nur weniger sichtbar, weil betroffene Kinder lernen, das Lesen und Schreiben zu vermeiden.
Was heißt das für Sie als Eltern?
Die gute Nachricht: LRS ist gut untersucht, und es gibt Förderansätze, deren Wirksamkeit in kontrollierten Studien geprüft wurde. Entscheidend sind drei Dinge:
- Früh hinschauen. Je eher die Schwierigkeiten erkannt werden, desto weniger Frust muss ein Kind ansammeln.
- Sauber abklären lassen. Eine Förderung ist nur so gut wie die Diagnostik, auf der sie aufbaut.
- Auf die Methode achten. Nicht jedes Angebot, das „LRS-Training“ heißt, arbeitet mit Verfahren, deren Wirksamkeit belegt ist.
Weiterlesen: Wie eine LRS-Diagnostik abläuft und wer dafür zuständig ist, lesen Sie unter LRS testen lassen: Ablauf, Diagnostik und Zuständigkeiten. Welche Förderansätze bei LRS wirklich helfen, lesen Sie unter Was hilft wirklich bei LRS? Wirksame Förderansätze im Überblick.
LRS-Förderung in Heddesheim und im Rhein-Neckar-Kreis
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind mehr braucht als zusätzliche Übungsblätter, sprechen Sie mich gern an. In meiner Lerntherapie in Heddesheim arbeite ich mit Kindern aus Heddesheim und der Umgebung – individuell, an der Schriftsprache selbst ansetzend und in enger Abstimmung mit Eltern und Schule. Im ersten Gespräch klären wir in Ruhe, wo Ihr Kind steht und ob eine Förderung sinnvoll ist.
Möchten Sie die Situation Ihres Kindes besprechen?
In einem ruhigen Erstgespräch klären wir gemeinsam, wo Ihr Kind steht.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Abkürzung LRS?
LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche beziehungsweise Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Gemeint sind ausgeprägte, andauernde Probleme beim Lesen und/oder Rechtschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen LRS und Legasthenie?
„Legasthenie“ bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch meist die medizinisch diagnostizierte Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10: F81.0). „LRS“ wird häufiger als Oberbegriff verwendet, der auch Schwierigkeiten ohne formale Diagnose einschließt. Einheitlich verwendet werden beide Begriffe im Alltag allerdings nicht.
Ist LRS eine Krankheit oder eine Behinderung?
Die Lese- und Rechtschreibstörung ist in der ICD als Entwicklungsstörung klassifiziert, nicht als Krankheit im umgangssprachlichen Sinn. Ob im Einzelfall eine Behinderung im Sinne des Sozialrechts vorliegt, ist eine gesonderte rechtliche Frage, die von der individuellen Beeinträchtigung der Teilhabe abhängt.
Hat LRS etwas mit Intelligenz zu tun?
Nein. Der Ausschluss einer Intelligenzminderung ist Bestandteil der diagnostischen Kriterien in ICD-10 und ICD-11.
In welchem Alter kann man LRS feststellen?
Zuverlässig diagnostizieren lässt sich eine Lese-Rechtschreibstörung erst, wenn Kinder ausreichend Unterricht im Lesen und Schreiben hatten – üblicherweise ab dem Ende der ersten bis zur zweiten Klasse. Risikomerkmale, etwa Schwierigkeiten mit der phonologischen Bewusstheit, lassen sich jedoch schon früher beobachten.
Verschwindet LRS von allein wieder?
In der Regel nicht. Studien zum Verlauf zeigen eine hohe Stabilität der Schwierigkeiten über mehrere Jahre. Wirksame Förderung ist deshalb wichtiger als Abwarten.
Fachlicher Hinweis
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Beratung. Bei Verdacht auf eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung wenden Sie sich bitte an eine kinder- und jugendpsychiatrische oder kinder- und jugendpsychotherapeutische Praxis oder an eine schulpsychologische Beratungsstelle. Die deutsche S3-Leitlinie zur Lese- und/oder Rechtschreibstörung ist seit April 2020 abgelaufen und befindet sich in Überarbeitung; die Aussagen in diesem Beitrag stützen sich daher zusätzlich auf neuere Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.
Quellen und weiterführende Literatur
Leitlinien und offizielle Dokumente
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP): S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung“, AWMF-Registernummer 028-044, Stand 23.04.2015, gültig bis 22.04.2020, derzeit in Überarbeitung (Anmeldung der Neufassung veröffentlicht am 01.07.2025). AWMF-Leitlinienregister
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM, amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in Deutschland, Version 2026 (Kapitel V, Block F80–F89). BfArM – ICD-10-GM
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11, Kategorie 6A03 „Developmental learning disorder“. ICD-11 der WHO
- Kultusministerkonferenz: Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen. Beschluss vom 04.12.2003 in der Fassung vom 15.11.2007. KMK-Beschluss (PDF)
- Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Verwaltungsvorschrift „Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und Behinderungen“ vom 8. März 1999, zuletzt geändert durch Verwaltungsvorschrift vom 22.08.2008 (K.u.U. 2008, S. 149). Landesrecht Baden-Württemberg
Wissenschaftliche Arbeiten
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- Fischbach, A., Schuchardt, K., Brandenburg, J., Klesczewski, J., Balke-Melcher, C., Schmidt, C., Büttner, G., Grube, D., Mähler, C. & Hasselhorn, M. (2013): Prävalenz von Lernschwächen und Lernstörungen: Zur Bedeutung der Diagnosekriterien. Lernen und Lernstörungen, 2(2), 65–76. doi.org/10.1024/2235-0977/a000035
- Kranz, A. E., Serry, T. A. & Snow, P. C. (2024): Twice-exceptionality unmasked: A systematic narrative review of the literature on identifying dyslexia in the gifted child. Dyslexia, 30(1), e1763. doi.org/10.1002/dys.1763
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- Moll, K., Kunze, S., Neuhoff, N., Bruder, J. & Schulte-Körne, G. (2014): Specific Learning Disorder: Prevalence and Gender Differences. PLoS ONE, 9(7), e103537. doi.org/10.1371/journal.pone.0103537
- Schulte-Körne, G. (2021): Verpasste Chancen: Die neuen diagnostischen Leitlinien zur Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörung der ICD-11. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 49(6), 463–467. doi.org/10.1024/1422-4917/a000791
- Vieira, A. P. A., Peng, P., Antoniuk, A., DeVries, J., Rothou, K., Parrila, R. & Georgiou, G. (2024): Internalizing problems in individuals with reading, mathematics and unspecified learning difficulties: a systematic review and meta-analysis. Annals of Dyslexia, 74(1), 4–26. doi.org/10.1007/s11881-023-00294-4
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- Yang, L., Li, C., Li, X., Zhai, M., An, Q., Zhang, Y., Zhao, J. & Weng, X. (2022): Prevalence of Developmental Dyslexia in Primary School Children: A Systematic Review and Meta-Analysis. Brain Sciences, 12(2), 240. doi.org/10.3390/brainsci12020240
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